KOMAGIRL: Eine tägliche Serie

KOMAGIRL Banner 980x280

Man erfährt so einiges, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört …

Vorwort

Seit ich mich erinnern kann, leide ich unter Schlaflosigkeit. Ich war schon immer eine Nachteule und ein Morgenmensch, komme aus mit fünf, vielleicht sechs Stunden zusammengewürfeltem Schlaf zwischen Anfällen von Rastlosigkeit. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich es mein ganzes Leben lang irgendwie gehasst habe, schlafen zu müssen. Ich schätze, auf irgendeiner unbewussten Ebene hatte ich wohl Angst, dass ich etwas Wichtiges oder Aufregendes oder Unwiederbringliches verpassen könnte. Was meine derzeitige Zwickmühle umso ironischer macht.

Ich befinde mich in einem tiefen vegetativen Zustand … besser bekannt als Koma.

Andere Leute bezeichnen meine Situation als „traurig“, „herzzerreißend“, … sogar „tragisch“. Ich finde all die Aufmerksamkeit eher seltsam, wenn ich darüber nachdenke, dass ich, bevor ich in Bett 3 der Langzeitpflegestation des Brady Hospitals in Atlanta, Georgia, gelandet bin, das Mädchen war, dem niemand viel Beachtung geschenkt hat. Ich war das mittlere Kind – mittelhübsch, mittelschlau, mittelerfolgreich mit einer mittelmäßigen Persönlichkeit in einem mittelmäßigen Job bei einer mittelmäßigen Firma. Mein Name ist Marigold Kemp, aber dieser Tage werde ich meistens Komagirl genannt. Offenbar habe ich sowas wie eine Fangemeinde. Ich bin ein Trend in den sozialen Medien. Ich habe meinen eigenen Hashtag.

Da es so aussieht, dass ich eine Weile hierbleiben werde, dachte ich, ich könnte auch gleich anfangen, meine Geschichte zu erzählen; es hat ein paar Drehungen und Wendungen gegeben, was die Art und Weise betrifft, wie ich hier hergekommen bin, und es kommen zweifellos noch ein paar. Die Liste der Vorteile davon, im Koma zu liegen, ist ziemlich verdammt kurz, aber wenn ich sagen müsste, was das Beste daran ist, dann, dass man viel erfahren kann, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört. Ich bin als Horcherin nicht zu übertreffen, und Kumpel, sollte ich je aufwachen, dann werde ich in einem Buch so richtig auspacken.

In der Zwischenzeit erzähle ich es schon mal dir.


Die tägliche Serie Komagirl läuft vom 1. Juli bis 31.Dezember.  Die täglichen Episoden nur für 24 Stunden verfügbar also Merker setzen auf Deinem Handy, Computer oder Memo-board um täglich kostenlos bei Komagirl auf dem Laufenden zu bleiben.


Samstag, 21. Oktober

„Naja, ich hab mir vor Schreck fast in die Hose geschissen“, sagte Roberta. „Mein Kumpel, der Reporter, hat mich um verdammt noch mal fünf Uhr früh angerufen, wollte wissen, ob Komagirl gestorben ist.“ Sie machte ein abschätziges Geräusch. „Ich hab ihm gesagt, du hast gute Manieren – unmöglich, dass du zu so einer unchristlichen Zeit sterben würdest.“

Von nun an werde ich versuchen, mein Ableben so zu planen, dass es auf eine damenhafte Tageszeit fällt. Wenn es an einem Wochentag ist – zehn Uhr vormittags, wenn alle schon aus dem Bett sind. Und für Wochenenden – frühestens ab Mittag.

Roberta seufzte. „Ich muss dir sagen, mir gehen die Ideen aus, wie ich den Typen finden soll, der zu dieser San Antonio Spurs-Kappe gehört. Und ich muss schon sagen, das ist echt eine potthässliche Kappe.“ Sie machte ein nachdenkliches Geräusch. „Es ist ‘ne Größe L, also versuche ich mich zu erinnern, welche Typen du kennst, die eine Riesenbirne haben. Oder ‘ne Menge Haare.“

Duncan hatte weder einen riesigen Kopf noch eine Menge Haare. Sie war ihm zu groß gewesen, doch er hatte die Kappe trotzdem getragen. Ich schloss daraus, dass jemand sie ihm geschenkt haben musste, sonst hätte es ihm nicht so viel bedeutet, dass er eine zu große Kappe von einer Mannschaft trug, die er noch nicht mal mochte.

„Naja, ich werde eine Bärentatze essen und weiter darüber nachdenken müssen.“

Der Stuhl knarzte.

„In der Zwischenzeit muss ich über was Ernstes mit dir reden. Neulich hab ich in deinem Schreibtisch nach ‘ner Briefmarke gesucht –“

Na klar.

„Als ich auf diesen großen, wichtig aussehenden Umschlag gestoßen bin, und ich habe beschlossen, einen Blick reinzuwerfen.“

Das Rascheln von Papier gab mir zu verstehen, dass sie ihn mitgebracht hatte.

„Es ist dein Testament und eine Patientenverfügung. Ich nahm an, dass deine Familie eine Kopie hat, aber nach dem Schreck heute Morgen dachte ich mir, ich sollte lieber Kontakt mit deiner Schwester aufnehmen und das herausfinden. Sie hat nein gesagt, sie hätte es noch nie gesehen.“

Stimmt. Ich hatte die Dokumente mit Unterstützung meiner Arbeitsstelle vor knapp einem Jahr aufsetzen lassen und ich dachte, ich hätte alle Zeit der Welt, um meiner Familie davon zu erzählen. Da ich Sidney zur Trägerin meiner Vorsorgevollmacht ernannt hatte, hätte ich es zumindest ihr sagen sollen.

Obwohl ich bei all dem, was ich jetzt über Sidney weiß, nicht sicher bin, dass ich wieder so entscheiden würde. Ich wünschte, ich könnte aufwachen und diese Dokumente Roberta aus den Händen reißen.

Und wenn ich aufwache, werde ich die Dokumente nicht mehr brauchen. Win-win.

Ich konzentrierte mich auf Robertas Stimme und versuchte, mich darauf zuzubewegen.

„…also werde ich genau das tun.“

Moment – was wird Roberta tun?

„Ich komme bald wieder und bringe dir noch mehr verrückte Post von diesen verrückten Verrückten mit, die dich wie eine Puppe anziehen und dich in eine riesige Wiege legen wollen. Bye, Komagirl.“

Warte! Komm zurück!

Jetzt verfügbar!
Jetzt verfügbar!
Jetzt verfügbar!
Jetzt verfügbar!
Am 1. November verfügbar!
Am 1. Dezember verfügbar!
Am 1. Dezember verfügbar!

Share This: